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Zahl der Zeit Nr. 125 – Tatsache und Meinung

Aus: E&M, 15.01.2004

Das Energiedreieck

Die vier von Menschen genutzten Primärenergien sind Kohle, Öl und Gas sowie (operationell) kohlenstoff-freie Energien (erneuerbare und nukleare). Ihre jeweilige relative Menge (in Prozent) wird geometrisch einfach durch die Seiten eines Dreiecks und die Parallelen dazu dargestellt (siehe Bild): Die Parallelen zur Grundlinie des Dreiecks sind die Geraden für Öl/Gas, die SW/NO-geneigten diejenigen der kohlen-stoff-freien Energien, schließlich die SO/NW-geneigten die für Kohle

Die ausgezogene Linie ist Geschichte: Mit Beginn des 19. Jahrhunderts beginnt Kohle, die bis dahin dominanten erneuerbaren Energien der ersten solaren Zivilisation statistisch erstmals spürbar zu ergänzen; Kohle steigt bis ins frühe 20. Jahrhundert auf mehr als. 70 % an, die kohlenstofffreien Energien fallen entsprechend auf 10 bis 20 % ab, wo sie nahezu über das ganze 20. Jahrhundert verharren. Dann tritt Öl auf den Plan, später Erdgas, gemeinsam drängen sie Kohle kontinuierlich auf heute weniger als 30 % zurück und stehen selbst bei ca. 60 %.

Jetzt geht Geschichte in Szenarios über. Das hier wiedergegebene Szenario setzt die beim geschichtlichen Übergang von Kohle über Öl zu Erdgas eingetretene Entcarbonisierung (relativ weniger Kohlenstoff) fort und damit die Hydrogenisierung (mehr Wasserstoff) der Energieträger: Bis in die Mitte des 21. Jahrhunderts bleibt die ÖI- und Gasdominanz erhalten, Kohle sinkt auf weniger als 10 %, wo sie für den Rest des Jahrhunderts verharrt, die kohlenstofffreien Energien nehmen von 20 % über 40 % schließlich bis zur Jahrhundertwende auf 60 % zu. Wegen ihrer mangelnden Speicherbarkeit und Transportierbarkeit über globale Entfernungen brauchen sie den chemischen Energieträger Wasserstoff, der im Transportsektor unverzichtbar wird.

Der in das Energiedreieck einbeschriebene (noch nicht geschlossene) ringförmige Verlauf der anthropogenen Primärenergienachfrage vom 19. bis ins 21. Jahrhundert zeigt gleichfalls Dreiecksform. Es scheint so, als kehre der Mensch nach der Auskohlung der Lagerstätten fossiler Energie oder ihrer aus Gründen der Klimaökologie restriktiven Ausbeutung an den Ursprung seiner Energienutzung, nämlich zur Nutzung kohlenstofffreier Energien zurück, damals ausschließlich erneuerbare Energien der ersten, jetzt erneuerbare der zweiten solaren Zivilisation und nukleare Energieträger.

Fairerweise ist anzumerken, dass Energieeffizienz, rationelle Energiewandlung und Energieanwendung sowie denkbare Primärenergien wie Kernfusion, Gashydrate oder auch abiogenes (nicht biologisch entstandenes) Erdgas unberücksichtigt blieben. Die Kernfusion. würde den Anteil der kohlenstofffreien Energien weiter vergrößern, die Gashydrate und abiogenes Erdgas verlängerten die Öl/Gas-Ära.

Quelle: L,. Barreto et al., The hydrogen economy in the 21st century; a sustainable development scenario, Int'l J. Hydrogen Energy 28 (2003); 267-284

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